Das biblische Menschenbild

<Grundlagen unseres Seelsorgedienstes eikon e.V.>

Gott schuf den Menschen

...nach seinem Bilde, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; Als Mann und Frau schuf er sie. (1. Mose 1,26+27)
Gott, der Herr, formte den Menschen aus Staub vom Erdboden und hauchte in seine Nase den Atem des Lebens (Ruach - Odem bzw. Geist), so wurde der Mensch eine lebendige Seele. (1. Mose 2,7)
Siehe, es war sehr gut. 1.Mose 1,31
Du hast ihn, den Menschen wunderbar bereitet. (Ps. 139,14)

Der Mensch eine lebendige Seele

Der Mensch wurde aus Erde geformt. Leib, das ist geformte Materie. Menschsein gibt es nur in der Leiblichkeit. Aber das ist eben nicht alles. Durch die Einwirkung des Atem Gottes wird der Mensch eine lebendige Seele. Er bekommt nicht eine Seele, sondern er wird zu einer lebendigen Seele. Wenn in der Bibel von unserer Seele gesprochen wird, geht es um die Ganzheitlichkeit unseres Seins, die sowohl unser Denken, Fühlen und Wollen wie auch unseren Bios umfasst. Der Mensch ist ganz Leib, ist lebendige Seele, weil der Geist Gottes in ihm wirkt.

Der Mensch braucht ein Gegenüber

Dass der Mensch eine lebendige Seele ist, verdankt er einem Gegenüber, dass ihn mit seinem Geist lebendig macht. Etwas, bzw. Jemand nimmt in ihm Raum ein, das nicht aus ihm selbst kommt, nicht aus dem Bios und auch nicht aus seinem Denken, Fühlen oder Wollen. Erst durch den Odem Gottes entsteht eine Lebendigkeit, die den Menschen zu einem denkenden, fühlenden, wollenden und damit handelnden Wesen macht. Er ist nicht nur geformte Masse, sondern ganz Seele, ein vom Geist Gottes bewegtes Lebewesen.

Der Geist des Menschen

Im biblischen Sinn ist mit Geist nicht unser Verstand gemeint. Die Fähigkeit zu denken hängt zwar mit dem Geist zusammen, aber Geist geht darin nicht auf. Der Mensch in seiner Leiblichkeit und seiner seelischen Beschaffenheit ist ein vom Geist durchdrungenes Wesen. Das heißt, er lebt nicht aus sich selbst heraus. Der Bereich unseres Geistes ist die Verbindungsstelle, wo Gott in Beziehung zum Menschen tritt.

Sünde – Ursache für die Gebrochenheit des Menschen

Weil mit dem Sündenfall ein Bruch zur Quelle unseres Seins – zu Gott – entstanden ist, leben wir in einer grundlegenden Gebrochenheit zu uns selbst, zu anderen und zur gesamten Schöpfung. Die Bibel nennt dies Sünde (Sund), Zielverfehlung. Sünde ist in dieser Weise nicht einfach eine moralische Kategorie, sondern die Beschreibung einer Kluft gegenüber Gott, aus der heraus dann Verhaltensweisen erwachsen, die auch moralisch negative Aspekte haben (Sünden). Der Mensch lebt seit dem Sündenfall grundsätzlich in dieser Trennung von Gott, von seinem Schöpfer, der Geist ist.

Grundlegend für unser Menschensein ist, dass wir erst durch Beziehungen lebendig werden. Der Geist des Menschen sehnt sich danach in Verbindung zu treten, sowohl zu Gott, wie auch zu anderen Menschen. Erst durch Beziehung können wir Werden und unser wahres Ich, unsere Identität entwickeln. Brüchige Beziehungen führen dazu, dass wir uns eine eigene Identität aufbauen müssen, z.B. durch unsere Leistung. Dies entspricht nicht unserem wahren Sein.

Der neue Mensch

Meistens wird der Begriff Herz mit dem Gefühl in Verbindung gebracht. Aber das ist zu begrenzt. Das Herz ist jene Zentralstelle unseres Seins, wo Leib, Seele und Geist zusammengefasst werden. Das Herz ist die Mitte unserer Persönlichkeit. Unsere wahre Identität, die im Sündenfall verloren ging, wird durch Jesus Christus wiederhergestellt, geheilt und gestärkt. Dies beginnt in unserem Herzen, in der Mitte unseres Person-Seins. Die Bibel spricht davon, dass wir "ein neues Herz brauchen" und "das Christus durch den Glauben in Euren Herzen wohne". "Dieses neue Herz ist Christus in uns", sagt Wolfram Kopfermann. Wir können dieses Neue nicht selber herstellen, es wird uns in Christus geschenkt. "Neues ist geworden", auch wenn da noch viel Gebrochenes und Zerstörtes in uns vorhanden ist. Dieses Neue können wir in der Mitte unseres Seins von Gott empfangen, das ist der Neue Mensch, der davon lebt, dass er Gottes geliebtes Kind ist, ganz gleich was auf ihn zukommt. Jesus Christus bleibt Herr, der geliebte Sohn, auch wenn er ans Kreuz genagelt wurde und sich in einer unaussprechlichen Gottesferne vorfand.

Jesus ist der Neue Mensch, weil das Kreuz nicht das letzte Wort hat, sondern die Auferstehung. Sein Leben, mit dem er jetzt beim Vater ist, ist nicht mehr zerstörbar! Damit ist auch für uns ein Ausgangspunkt gegeben, mit dem wir der Zerstörung in uns und um uns herum begegnen können. Allerdings müssen wir alte Denkmuster, Gefühlsstrukturen und auch Willenskräfte, die sich gegen diese Erkenntnis Gottes erheben, verändern, niederreißen, ungültig machen. Wir dürfen lernen, unseren Willen zu stärken und neu auszurichten, damit wir weder von außen noch von innen (von unseren Gefühlen) gelebt werden, sondern durch den Geist, durch Christus in uns, zu Menschen werden, die in der Kraft Gottes das Leben gestalten.

Die Ganzheitlichkeit unseres Menschseins gehört dabei für uns zum neuen Menschsein und ist deshalb ein wesentlicher Punkt in der Seelsorgearbeit. In dem Wissen, dass "Christus in uns" der Schlüssel zu unserem wahren Selbst ist, liegt unsere Identität und ist die Grundlage für unser Wertbewusstsein. Dieses Menschensein erschöpft sich nicht in unserer DNA und nicht in psychosozialen Prägungen, sondern entsteht aus der Beziehung zu dem Gott, der Liebe ist und der sich uns in Jesus Christus gemäß der Bibel im heiligen Geist offenbart.

Auf diese Beziehung müssen wir uns einlassen. Die Bibel sagt uns: "dass Christus in uns Gestalt gewinnen soll." Das bedeutet aber auch, dass wir im Werden sind. Es deckt sich mit einer allgemeinen Erkenntnis: Alles Leben ist Werden. Wo das Werden aufhört, herrscht schon der Tod.
Aber Paulus spricht davon, dass wir erneuert werden, von einer Herrlichkeit zur anderen. Der neue Mensch, wird von Tag zu Tag erneuert. Deshalb ist dieses neue Menschsein schon jetzt mit der zukünftigen Herrlichkeit verknüpft, auch wenn es im Hier und Jetzt gelebt wird. Aber nicht der Tod regiert, sondern das Leben. Im Erkennen der Offenbarung Gottes in Jesus Christus und im Vertrauen darauf wird dieses Menschsein ermöglicht.

Hartmut Bernitz
April 2018